Wassergewinnungsprojekt in Peru: So soll der Nebel die Wüste begrünen

Der Gründer des Wassergewinnungsprojekts, Abel Cruz Gutíerrez, freut  sich über das dank der Netze in einem Tank gesammelte Wasser.
Der Gründer des Wassergewinnungsprojekts, Abel Cruz Gutíerrez, freut sich über das dank der Netze in einem Tank gesammelte Wasser. © dpa, Georg Ismar, fgj lof

Lange Trockenphasen und gebeutelt vom Phänomen El Niño: In Perus Wüste gibt es ein visionäres Projekt, das dem Klimawandel trotzen helfen soll. Mit Netzen wird der Nebel aufgefangen und so Wasser gewonnen.

Wasser ist rar, aber Nebel ist Wasser

Ein Schild weist auf die Gefahren des Küstennebels hin.
Ein Schild weist auf die Gefahren des Küstennebels hin. © dpa, Georg Ismar, fgj lof

Abel Cruz Gutíerrez ist ein Fänger des Nebels. Er will, dass die Wüste grün wird - mit Wasser, das hier nahe der peruanischen Stadt Tacna aus dem oft wabernden Nebel gewonnen wird. Er will, dass Kartoffeln, Mais, Zwiebeln, Tomaten und Oliven geerntet werden. Im März allerdings wurde der Andenstaat vom Klimaphänomen 'Küsten-El-Niño' gebeutelt - mit verheerenden Überschwemmungen. Der Pazifik war fünf Grad wärmer als normalerweise um diese Jahreszeit. 

Wegen der stärkeren Verdunstung kam es zu heftigen Regenfällen, Flüsse wurden zu reißenden Strömen und brachten durch das mitgezogene Geröll die Trinkwassergewinnung für Lima zum Kollabieren. Aber: Viel Regen ist in der Gegend eigentlich eine Ausnahme, vielerorts wird Landwirtschaft immer schwieriger. Auch gegen die immer wieder herrschende Wassernot in Perus Hauptstadt Lima sieht Abel Cruz in seinen Nebelnetzen eine Lösung, gerade für eine bessere Wasserversorgung in Armenvierteln. Auch in Lima gibt es oft Nebel. Abel Cruz ist Träumer und Kämpfer zugleich. "Wasserzugang ist ein Menschenrecht, unsere Regierung ignoriert das", kritisiert er. 

Dutzende grüne Netze befördern das Wasser in die Tonnen

Dutzende Netze im peruanischen Agrarprojekt Pampa Colorada.
Dutzende Netze im peruanischen Agrarprojekt Pampa Colorada. © dpa, Georg Ismar, fgj lof

Er weiß aus seiner Kindheit, wie schwer es war, Wasser zu bekommen: lange Wege, viel Schlepperei. Im Jahr 2005 hat er die Bewegung "Peruaner ohne Wasser" gegründet und ist ihr Präsident. Allein in Lima hätten hunderttausende Menschen keinen ausreichenden Zugang zu Trinkwasser, sagt er. 

Es ist ein verwegenes, fast utopisch anmutendes Projekt mitten in der Wüste. Der Name 'Pampa Colorada' heißt übersetzt 'rote Pampa'. Bisher ist es hier ziemlich braun. "Wir wollen die Wüste grün machen, wir setzen auf organische Landwirtschaft, um unsere Produkte in die Welt zu exportieren", sagt Abel Cruz. Es würde nicht verwundern, wenn der gnadenlose Optimist auch noch verkündet, hier Wassermelonen und Zitronen anbauen zu wollen.

Im Januar sind im benachbarten Chile wegen der Trockenheit bei den schlimmsten Waldbränden in der Geschichte des Landes über 500.000 Hektar Wald- und Agrarland verbrannt, die Andengletscher schmelzen rasant. Was ins Auge fällt in 'Pampa Colorada', sind Dutzende grüne Netze, meist 20 Quadratmeter groß, befestigt an Holzgestängen. Damit wird hier, wo es so oft und so viel Nebel gibt, der Nebel aufgefangen, von den Netzen tropft das Wasser in offene Halbrohre am Ende der Netze und fließt in große Wasserbehälter. "Ich habe gute Nachrichten. Die australische Botschaft will ein Projekt von uns unterstützen", sagt Gutíerrez bei einem Treffen mit den Bauern. Die klatschen. Wieder ein paar Tausend US-Dollar Hoffnung.

Und der Rotary Club im amerikanischen Pittsburgh will über 200 Filter spenden, damit das mit den Netzen aufgefangene Wasser als Trinkwasser genutzt werden kann. "Niemand hat an unser Projekt geglaubt und jetzt haben wir hier schon ein paar Pflanzen, die ersten Schritte zu Landwirtschaft."