Wald: Freizeitbereich oder Klimaschutz?

Die Naturschutzorganisation Nabu fordert, dass Deutschland deutlich mehr Urwälder bekommen soll. Sie sollen einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Ob Waldbesitzer und politische Entscheidungsträger mitspielen, ist noch offen. Die Frage ist dabei allerdings auch – was bedeutet für uns der Wald: Haben wir das Recht auf den Wald als Freizeitbereich oder sollten wir mehr Rücksicht auf Fauna, Flora und Klima nehmen?

Wald ist mehr als nur ein paar Bäume

Der Wald hat eine bedeutende Wirkung, deren wir uns nicht immer ganz bewusst sind. Landschaft, Mensch, Boden, Luft, Wasser, Tier- und Pflanzenwelt werden direkt von ihm beeinflusst. Wenn man sich vor Augen hält, wofür der Wald verantwortlich ist, wird einem schon ein bisschen schwindelig. Denn das, was wir als Erholungsraum zum Spazieren, Joggen, Radeln und nicht zuletzt zum Ausruhen betrachten, ist wesentlich mehr. 

Video: Was darf man eigentlich im Wald und was ist verboten?

Goldene Regeln für den Wald
Goldene Regeln für den Wald Wald: Das darf man - das darf man nicht 00:01:11
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Wald ist Boden,- Wasser,- Lawinen,- Immission,- und Klimaschutz

Wald ist Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten, die es zu schützen gilt. Er selbst beschützt uns vor Erosion, verhindert den Bodenabtrag durch Wasser und Wind, verhindert Bodenrutschungen und Steinschlag, verhindert Lawinenabgänge und leistet einen erheblichen Beitrag zum Wasserhaushalt. Waldboden kann große Mengen an Wasser speichern und erhöht das Grundwasserangebot.

Bäume produzieren unsere Atemluft

Wälder kümmern sich nicht nur um den Boden, sie hüten auch unsere Atemluft und halten das Klima im Gleichgewicht. Die Filterwirkung von Wäldern ist enorm, Staub, Gas und radioaktive Stoffe werden aus der Luft gefiltert. Pro Hektar (10.000 m²) werden laut der 'Stiftung Unternehmen Wald‘ jährlich knapp 50.0000 Tonnen Ruß und Staub aus der Atmosphäre gefiltert. Durch die Temperaturunterschiede zwischen Wald und Siedlungsgebieten wird ein ständiger Luftaustausch bewirkt, der die Luft in den Städten verbessert. 

Und das ist immer noch nicht alles: Holz ist ein wichtiger Rohstoff, der immer nachwächst und umweltfreundlich erzeugt wird. Jedes Jahr werden 56 Kubikmeter Holz produziert, dabei ist die gute Nachricht, es ist weniger als nachwächst.

Drei ineinander verwachsene Buchen im Urwald Sababurg bei Hofgeismar, Aufnahme vom 07.10.2011.    (zu dpa «Experten: Wildnisziele nicht aus den Augen verlieren» vom 30.03.2017) Foto: Uwe Zucchi/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Eine etwa 100 Jahre alte Buche produziert jedes Jahr soviel Sauerstoff (4.600 Kilogramm), dass ein Erwachsener mehr als 13 Jahre lang davon atmen kann. © dpa, Uwe Zucchi, cch axs jsc rho

Nabu fordert: Urwald soll wachsen

Der 'Nabu‘ fordert im Angesicht der Erderwärmung und der Zunahme von Extremwetterlagen, dass wir mehr naturbelassene Wälder bekommen. Bis 2020 müsse der Anteil der naturbelassenen Wälder von derzeit knapp zwei Prozent auf fünf Prozent gesteigert werden, langfristig sogar auf zehn Prozent, forderte Nabu-Waldreferent Stefan Adler. Sie sollen dafür sorgen, dass unter anderem mehr Kohlenstoff gespeichert wird. Unter dem Namen 'Speicher-Wald‘ wollen die Umweltschützer das Projekt Städten und Gemeinden näherbringen. 

Natur- und Klimaschutz kann Geld bringen

Der Verbund 'Wildnis in Deutschland‘ findet unter den Argumenten für mehr Urwälder in Deutschland auch eines, das für den Freizeit- und Erholungswert spricht: Je größer der Kontrast zu unseren herkömmlichen Landschaften ist, desto einzigartiger kann ein Naturerlebnis in Wildnisgebieten sein. Auch der Tourismus kann profitieren: Die besondere Naturerfahrung könnte ein beliebtes Ziel werden. Laut 'Wildnis in Deutschland‘ resultieren aus der wachsenden Nachfrage zu "naturorientiertem Tourismus“ positive wirtschaftliche Effekte für die Regionen, die auch in Deutschland für Nationalparks nachgewiesen wurde.