Neue Studienergebnisse: Die Nasenform hängt auch vom Klima ab

Nase einer Frau
Nasen gibt es in vielfältiger Ausprägung. © picture alliance / All Canada Ph, Oleksiy Maksymenko

"Zeig mir deine Nase und ich sage dir, woher du kommst."

Groß, klein, stupsig oder breit: Die menschliche Nase ist so individuell wie die Menschen, deren Gesicht sie prägt. Forscher haben nun herausgefunden, dass auch das Klima bei der Ausprägung der Nase eine Rolle spielt. 

Die Nase eines Europäer.
Die Nase eines Mannes europäischer Herkunft. © dpa, Alexander Heinl, his fgj

In einer aktuellen Studie hat ein internationales Forscherteam unter Federführung der Pennsylvania State University einen Zusammenhang zwischen der Größe und Form der menschlichen Nase und dem lokalen Klima in den verschiedenen Teilen der Welt hergestellt. In warmen und feuchten Regionen seien die Nasenlöcher öfters breiter, in einem trockenen und kühlen Klima weisen die Nasen dagegen oft eine schmale Form auf.

Für ihre Studie hat das Anthropologenteam um Arslan Zaidi die Nasenmaße von 467 Menschen mit Vorfahren aus Nordeuropa, Westafrika, Süd- und Ostasien anhand von 3D-Aufnahmen verglichen.

Über lange Zeit passen sich Nasen den örtlichen Lebensbedingungen an

Die Nase eines Asiaten.
Die Nase eines Mannes asiatischer Herkunft. © dpa, Alexander Heinl, his fgj

Diese Berücksichtigung von Weichteilen der Nase sei neu, betont Katerina Harvati der Universität Tübingen. Die Paläoanthropologin befasst sich ebenfalls mit der Evolution von Gesichtsformen. Auf Basis von Knochenausmessungen sei der Zusammenhang von Nasenformen und Umgebungsklima bereits öfter untersucht worden. So sei die Hypothese auch in der Neandertalerforschung verbreitet gewesen, ergänzt Ottmar Kullmer vom Forschungsinstitut Senckenberg.

Das Forscherteam aus Pennsylvania berichtet nun in seinem Artikel in der Wissenschaftszeitung 'Plos Genetics', dass die meisten Unterschiede der weltweiten Nasenformen zwar auf völlig zufällige Veränderungen im Genpool (die sogenannte Gendrift ) zurückgingen, bei der Weite der Nasenlöcher und der Breite der Nasenbasis aber die Unterschiede zwischen den verschiedenen Populationen größer sind, als durch Gendrift allein erklärbar. Vielmehr habe dort über lange Zeit hinweg eine Anpassung an örtliche Lebensbedingungen stattgefunden. 

Die Entwicklung der Nasenform hat aber auch diverse andere Gründe

Die Nase eines Afrikaners.
Die Nase eines Mannes afrikanischer Herkunft. © dpa, Alexander Heinl, his fgj

Durch schmale Nasenlöchern wird trockene, kalte Luft effektiver erwärmt und durch die Schleimhäute besser angefeuchtet, bevor sie in die Lungen gelangt. "Eine wichtige Funktion der Nase und der Nasenhöhle ist es, die eingeatmete Luft aufzubereiten, bevor sie den unteren Atemtrakt erreicht", erklärt Ko-Autor Mark Shriver. Diese Eigenschaft sei in Gegenden mit trockenem und kühlem Klima wahrscheinlich essenziell gewesen und habe Überlebensvorteile gebracht. Allerdings gebe es für die Entwicklung bestimmter Nasenformen in einer Population auch viele andere Gründe, etwa die Wahl des dort als attraktiv empfundenen Sexualpartners. Auf lange Sicht gebe es beispielsweise mehr Menschen mit großen Nasen, wenn diese dem lokalen Schönheitsideal entsprächen - oder eben umgekehrt.​