Naturspektakel in der Antarktis: Riesen Eisberg vom Schelfeis abgebrochen

Eisberg-Abbruch: "Ein Warnschuss für die Menschheit"
Eisberg-Abbruch: "Ein Warnschuss für die Menschheit" Riss im Schelfeis war gigantisch 00:00:56
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Es ist ein Naturspektakel mit außergewöhnlichem Ausmaß, das sich da gerade in der Antarktis abgespielt hat: Ein gigantischer Eisberg ist vom Schelfeis Larsen C abgebrochen. Der Koloss ist 175 Kilometer lang, 50 Kilometer breit und 1 Billion Tonnen schwer - nun treibt er Richtung Norden.

Eisberg doppelt so groß wie das Saarland

Riss im  Larsen-C-Schelfeis: Eisberg abgebrochen
Hier war es nur ein Riss im Larsen-C-Schelfeis in der Antarktis . Jetzt ist der riesige Eisberg abgebrochen. © dpa, John Sonntag, lof wst

Dieser Abbruch hatte sich schon lange angekündigt. Seit Monaten beobachten Forscher einen riesigen Riss im antarktischen Schelfeis, der sich im Nordwesten der Antarktis über Monate seinen Weg gebahnt hatte, fast 200 Kilometer weit durch eine massive Eisplatte. 500 Meter war er breit - das entspricht sieben Airbus A 380, die man hintereinander aufreiht. Die Tiefe des Grabens: 200 Meter - man hätte also den Frankfurter Maintower bequem hineinstellen können. Der Eisberg, der sich nun an der Kante abgetrennt hat, ist 5.800 Quadratkilometer groß - doppelt so groß wie das Saarland.

Inwieweit der Klimawandel eine Rolle beim Abbruch des Eisberges gespielt hat, ist unklar. Das sogenannte Kalben ist ein ganz normaler Vorgang. Insgesamt gebe es jedoch seit rund 30 Jahren eine Serie ungewöhnlicher Zusammenbrüche von Eisschelfen in der Region, schreibt das US-Forschungszentrum für Schnee und Eis (NSIDC). Nach Meinung vieler Forscher könne das mit der Erderwärmung zusammenhängen, andere sehen keinerlei direkte Verbindung zum Klimawandel. Der nun abgebrochene Koloss war bislang ein Teil vom Larsen-C-Schelfeis. Von ihm selbst geht keine Gefahr aus. Er treibt nun entlang der Küste der Antarktis weiter, bis er in zwei bis drei Jahren geschmolzen sein wird.

Das doppelte Saarland: Gigantischer Eisberg abgebrochen
Das doppelte Saarland: Gigantischer Eisberg abgebrochen Koloss wird zwei bis drei Jahre zum Schmelzen brauchen 00:01:09
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Eisberg-Abbruch destabilisiert das Schelfeis

Es besteht aber eine andere Gefahr, schreibt Daniela Jansen vom Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung: Die vordere Kante des Larsen-C-Schelfeis hat sich noch nie so weit zurückgezogen wie derzeit. Zudem steht die Eisplatte unter Spannung und kann zerfallen, falls an einer Schlüsselstelle ein Stück abbricht. Ist das nun passiert? Zerfällt das Schelfeis etwa komplett? Und was daran soll so schlimm sein?

Riss im Larsen-C-Schelfeis
Satellitenbild vom März 2017 mit der ganzen Länge des Risses des Larsen-C-Schelfeises. © dpa, Landsat, gfh

Der Meeresspiegel steigt

Schelfeis schwimmt auf dem Meer und wird von großen Gletschern gespeist. Das Schmelzen von Schelfeis und Eisberg erhöht den Meeresspiegel nicht, weil sie so viel Wasser verdrängen, wie das geschmolzene Eis selbst ergibt. Der Verlust des Schelfeises führt allerdings dazu, dass die Gletscher direkt ins Meer münden und viel schneller abfließen können als vorher. Das kann den Meeresspiegel sehr wohl erhöhen.