Klimawandel: Wir haben nur noch drei Jahre, um den Planeten zu retten

Eine Gruppe von internationalen Wissenschaftlern sagt, dass wir nur noch drei Jahre haben, um die Ziele des Pariser Abkommens zum Klimaschutz noch erreichen zu können und so die Erde vor unwiderruflicher Zerstörung zu retten. Das ist nicht viel. Die sechs Forscher um die ehemalige Chefin des Uno-Klimasekretariats Christiana Figueres und Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) lassen uns mit dieser Nachricht aber nicht einfach im Regen stehen. Sie haben einen 6-Punkte-Plan entwickelt, um den weltweiten CO2-Ausstoß noch rechtzeitig zu drehen.

Der Klimawandel und seine Folgen
Es bleibt nicht mehr viel Zeit, um den Anstieg der Temperaturen zu stoppen, um katastrophale Auswirkungen zu verhindern. © dpa, Arno Burgi, abu htf dna wkst dna

In einem offenen Brief wenden sie sich an Regierungen, Unternehmen, Wissenschaftler und Bürger, die Klimagas-Emissionen JETZT anzugehen. Wenn spätestens ab 2020 der Ausstoß peu a peu gesenkt wird, wird die globale Temperatur wahrscheinlich nicht die Schwelle übertreten, hinter der es für den Klimawandel kein Halten mehr gibt. Auswirkungen wären u.a. Überflutungen aufgrund des steigenden Meeresspiegels, unvorhersehbare Wetterextreme mit verheerenden Folgen für die Landwirtschaft und Küstenbewohner.

Denn sollten die Emissionen nach 2020 weiter ansteigen oder auch nur so hoch bleiben wie bisher, "sind die Temperaturziele von Paris fast nicht mehr erreichbar", warnten die Autoren des Aufrufs, der im Fachmagazin 'Nature' veröffentlicht wurde. Das Klimaabkommen sieht vor, den Anstieg der Temperaturen im Vergleich zur vorindustriellen Zeit unter zwei Grad zu begrenzen, aber möglichst bei 1,5 Grad zu stoppen, um katastrophale Auswirkungen zu verhindern.

Und das sind die sechs Ziele bis 2020 für die nötige Klimawende:

1. Erneuerbare Energien sollten mindestens 30 Prozent des Strombedarfs der Welt abdecken (gegenüber 23,7 Prozent im Jahr 2015). Nach 2020 dürften keine neuen Kohlekraftwerke mehr genehmigt werden, bestehende müssten auslaufen.

2. Städte und Regionen sollen Aktionspläne starten, um Gebäude und Infrastruktur bis 2050 ohne Kohle zu betreiben. Jedes Jahr müssten Städte mindestens drei Prozent ihrer Gebäude so modernisieren, dass sie keine oder fast keine Emissionen erzeugen.

3. Elektroautos müssten bis 2020 mindestens 15 Prozent der globalen Verkäufe ausmachen (heute knapp ein Prozent für E-Autos oder Plugin-Hybride). Es brauche Zusagen, die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs zu verdoppeln, die Kraftstoffeffizienz von Lastwagen um 20 Prozent zu steigern und im Luftverkehr 20 Prozent weniger Treibhausgase pro Kilometer auszustoßen.

4. Statt Wälder weiter zu zerstören, müsse es Aufforstung geben. Die Netto-Emissionen durch Rodung und Landnutzung müssten im nächsten Jahrzehnt gestoppt werden.

5. Die Schwerindustrie müsse Pläne mit dem Ziel vorlegen, ihre Effizienz zu verbessern und Emissionen weit vor 2050 zu halbieren.

6. Die Finanzwirtschaft sollte Kapitalflüsse überdenken und bis 2020 mindestens eine Billion US-Dollar pro Jahr für den Klimaschutz mobilisieren - hauptsächlich aus dem privaten Sektor. Regierung, Banken und Kreditgeber wie die Weltbank müssen mehr «grüne Anleihen» auflegen, um den Markt von 81 Milliarden US-Dollar 2016 zu verzehnfachen.

Klimawandel stoppen: Planet Earth First
Demonstration an der Binnenalster vor dem G20-Gipfel in Hamburg: Klimawandel stoppen! © imago/epd, Stephan Wallocha, imago stock&people

Die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass der anstehende G20-Gipfel in Hamburg die perfekte Gelegenheit für die Staatsoberhäupter ist, den 6-Punkte-Plan in die Diskussion mitaufzunehmen, wie eine widerstandsfähige, florierende, verzahnte, integrative Weltwirtschaft gewährleistet werden kann.