Anstieg des Meeresspiegels, Überfischung und Vermüllung der Ozeane

Bis zum Jahrhundert-Ende könnte der Meeresspiegel um bis zu 1,70 Meter ansteigen. Sogar ein noch höherer Anstieg ist denkbar, wenn die arktischen und antarktischen Eisschilde kollabieren. Das ist nicht nur die Sorge von Öko-Aktivisten, sondern eine Warnung des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie.

Und dies ist bekanntlich nur ein Aspekt aus dem Problemkomplex der Weltmeere. Überfischung, Vermüllung und Chemie machen den Ozeanen schwer zu schaffen - und die bedecken immerhin 71 Prozent des Globus.

Nun werden sämtliche Probleme im 'Meeresatlas' der Heinrich-Böll-Stiftung zusammengefasst. Die Bilanz: Die Weltmeere stehen unter wachsendem Druck, und die Probleme sind menschengemacht. Aber es gibt auch Lösungsansätze. Im Folgenden werden nur einige Aspekte hervorgehoben:

Anstieg des Meeresspiegels und Überfischung

Artenschwund im Golf von Kalifornien. (Meeresatlas 2017, Heinrich-Böll-Stiftung)
Artenschwund im Golf von Kalifornien. (Meeresatlas 2017, Heinrich-Böll-Stiftung)

Meeresspiegel: Er steigt und steigt - seit dem Jahr 1900 waren es im weltweiten Mittel 20 Zentimeter. Verursacht wird das einerseits durch schmelzendes Eis auf den Kontinenten, anderseits durch sich ausdehnendes Wasser im Zuge der Klimaerwärmung. Für die Zukunft wird ein weiterer Anstieg von etwa drei Millimetern im Jahr erwartet. Wie sich das regional auswirken wird, sei noch nicht abzusehen, berichten die Forscher. Dabei dürften reiche Staaten wie die Niederlande eher vorsorgen können als arme wie Bangladesch.

Fischerei: Die Weltbevölkerung wächst weiter - mehr Nahrung aus dem Meer wird sie aber kaum holen können: Knapp ein Drittel der weltweiten Fischbestände gelten laut Atlas bereits als überfischt oder gar zusammengebrochen. 58 Prozent der Bestände seien maximal ausgenutzt. Auch illegale Fischerei wird als Riesenproblem gesehen. Fisch aus gewöhnlichen Fischfarmen ist für die Forscher keine Lösung, ihr Fazit lautet: Der Hunger nach billigem Fisch muss weniger werden.

Fisch raus, Müll rein

Plastik: Fisch raus, Müll rein: Etwa acht Millionen Tonnen Plastik landen jährlich im Meer, zumeist aus Flüssen. Fast der gesamte Plastikmüll, ganze 99 Prozent, sinkt dem Bericht zufolge auf den Tiefseeboden ab, zerrieben zu Mini-Partikeln. Aus Mikroplastik bilde sich dort eine neue geologische Schicht, in der sich Schadstoffe anlagern können. Fische verwechseln die Stückchen mit Plankton, so landet der Müll wieder beim Menschen auf dem Teller. Nur ein Prozent des Plastiks ist an der Wasseroberfläche zu finden, etwa in Strudeln.

Todeszonen: So werden sauerstoffarme Zonen genannt, wo kaum mehr etwas oder nichts mehr lebt - weder Fische noch Muscheln noch Seegras. Diese Gebiete lägen oftmals in Flussmündungsgebieten, heißt es im Atlas. Das ist kein Zufall: Abwässer, die etwa große Mengen von Kunstdünger und Gülle aus der Landwirtschaft enthalten, lassen das Meer umkippen. Eine große Todeszone liegt laut Angaben im Golf von Mexiko vor dem Missisippi-Delta, aber auch in der Ostsee sei der Sauerstoffgehalt seit Jahrzehnten stark rückläufig.

Ein Drittel des von Menschen produzierten Kohlenstoffdioxids lagert im Meer

Säure: Heute versauern die Ozeane laut Angaben in "einer erdhistorisch wohl einmaligen Geschwindigkeit", heißt es im Atlas. Die Meere hätten etwa ein Drittel des Kohlenstoffdioxids aufgenommen, das die Menschen seit der Industrialisierung in die Atmosphäre abgegeben haben. Die Auswirkungen sind noch nicht vorzusehen. 

Bergbau: in der Tiefsee beginnt laut Atlas in den nächsten Jahren die Gefahr eines intensiven Unterwasserbergbaus. Dort schlummern etwa Mangan, Nickel, Thallium und Kobalt in größeren Vorkommen als an Land - und aus wissenschaftlicher Sicht eine Menge Risiken. Soweit unter Wasser geschieht alles sehr, sehr langsam. "Ökologinnen und Ökologen warnen daher: Was hier zerstört wird, regeneriert sich lange nicht", steht im Atlas.

Nachhaltigkeit als Notwendigkeit

Der Meeresatlas zeigt zahlreiche bedrückende Probleme auf. Aber es wird auch angemerkt, dass sich bereits einiges in eine bessere Richtung bewegt. Die Meereskrise wird verstärkt wahrgenommen und viele Menschen beginnen, ihr Verhalten zu ändern. Im Juni findet in New York die Ozeankonferenz 2017 statt, bei der die Staatengemeinschaft gemeinsame Lösungswege finden kann.