7.000 komische Beulen in Sibirien drohen zu explodieren

Im vergangen Jahr machten Wissenschaftler auf der abgelegenen sibirischen Insel Bely eine unheimliche Entdeckung: Der Boden blubberte an manchen Stellen und war unter den Füßen wabbelig wie Pudding. 15 solcher Beulen fanden sie zunächst. Eine Untersuchung der Umgebung der Jamal und Gydan-Halbinseln ergab aber sage und schreibe 7.000 solcher weichen Hubbel in der Landschaft. Nun wird befürchtet, dass sie jeden Augenblick explodieren könnten.

Die Beulen sind Blasen, erklärt Alexey Titovsky, Direktor des 'Yamal Department for Science and Innovation'. Die Blasen explodieren tatsächlich mit der Zeit und Gas entweicht. Es entstehen kleinere Löcher bis zu riesigen Trichtern und Kratern. Was geht da vor sich?

Rasenfläche bitte nicht betreten!
Rasenfläche bitte nicht betreten! Untergrund in Sibirien ist weich wie Pudding 00:00:32
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Verursacher Klimawandel oder Geologie?

Die Wissenschaftler Alexander Sokolov, von dem das Video des Pudding-Bodens stammt, und Dorothee Ehrich fanden bei einer genaueren Untersuchung heraus, dass die Luft, die aus den Beulen entweicht, 1.000 mal mehr Methan und 25 mal mehr Kohlendioxid als die Umgebungsluft enthält. Sie stellten die Hypothese auf, dass die Methanblasen mit dem Klimawandel und der globalen Erderwärmung zusammenhängen, durch die der Permafrost-Boden auftaut.

Es gibt aber auch geologische Besonderheiten, die Ursache für den Beulenboden sein können. Im Untergrund der sibirischen Tundra befinden sich oberflächennah (in Tiefen von 500 bis 1.200 Metern) Gasvorkommen, die durch Ritzen und Verwerfungen den Weg nach oben suchen, Gasquellen und Blow-out-Krater bilden.

Der gigantische Jamal-Krater in Sibirien
Der gigantische Jamal-Krater in Sibirien Unheimliche Löcher in der sibirischen Tundra 00:02:00
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Welche Beulen sind gefährlich?

Und: Sogenannte Pingos, die durch im Boden befindliche Eiskerne entstanden sind, brechen zusammen, wenn das Eis schmilzt. Es bilden sich Kraterseen. Es ist bekannt, dass das Eis bei diesem Vorgang auch manchmal förmlich explodiert, erläuterte Vasily Bogoyavlensky von der Russischen 'Academy of Sciences' schon 2015 in der Fachzeitschrift 'Geo Ex Pro'.

Jedenfalls ist das Geheimnis um die Blasen-Entstehung noch nicht ganz geklärt – man arbeitet dran. Das Wichtigste ist nun herauszufinden, welche Beulen gefährlich sind und die Bewohner der eh schon unwirtlichen Region bedrohen könnten und welche nicht.